Einblick in das Medizin-Mentoring im Landkreis Gifhorn

Hier stellen wir Ihnen ein Mentoring-Tandem vor. Dr. Monika Kuba und Halina Ebel. Dr. Monika Kuba ist Allgemeinmedizinerin und führt gemeinsam mit Dr. Uwe Tippmar eine Gemeinschaftspraxis in Wesendorf. Sie hat das Mentoring-Projekt im Landkreis Gifhorn initiiert und sich selber als Mentorin zur Verfügung gestellt. Halina Ebel ist ihre Mentee. Sie studierte Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, absolvierte ihr PJ am Wolfsburger Krankenhaus und bereitet sich jetzt auf ihre Abschlussprüfung vor. Monika Kuba und Halina Ebel waren eines der ersten Tandems, die sich im Projekt gebildet haben.

Dr. Monika Kuba
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Dr. Monika Kuba
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Halina Ebel
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"Ich möchte auf dem Weg bis zum fertigen Arzt, bis zur fertigen Ärztin begleiten."
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Wer in die beruflichen Fußstapfen seiner Eltern tritt, wird früh einen Einblick in Tätigkeiten und Herausforderungen seines Berufslebens bekommen. So war das auch bei Dr. Monika Kuba. Ihre Eltern waren beide Ärzte. Schon als Kind hat sie mitbekommen, was es bedeutet, als Medizinerin seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sie wuchs praktisch in ihren Beruf hinein. Seit einigen Jahren führt sie eine eigene Praxis in Wesendorf, gemeinsam mit Kollegen. Sie hat die Idee des Medizin-Mentoring im Landkreis Gifhorn mitentwickelt und umgesetzt: "Ich möchte junge Schüler und Studenten auf dem Weg bis zum fertigen Arzt begleiten. Mit dem Mentoring kann man ihnen so eine Idee vermitteln, was da auf sie zukommt. Einfach praktische Lebenshilfe."

Das Mentoring kann Berührungsängste abbauen und vermitteln, wie man mit Belastungen, die mit dem Arztberuf verbunden sind, umgehen kann. Monika Kuba hat selber eine Mentee unter ihre Fittiche genommen. Halina Ebel war vor drei Jahren, als sie sich kennenlernten, schon fast am Ende ihres Medizinstudiums. Die heute 35jährige und Mutter von drei Kindern hörte vom Mentoring-Projekt und dachte zunächst in eine ganz andere Richtung: „Ich dachte, ich müsste Studenten erzählen, wie das Studium verläuft. Dabei geht es in diesem Projekt darum, dass ich als Medizinstudentin profitiere." Der Kontakt mit der praktizierenden Allgemeinmedizinerin hat ihre beruflichen Pläne wesentlich beeinflusst. Selber hat sie keine Mediziner im Bekanntenkreis und hoffte zunächst, einfach Tipps zu bekommen. Die Sympathie zwischen beiden war sofort da. „Was mir richtig imponiert ist, dass Monika eine Frau in einer ähnlichen Lebenssituation ist. Sie hat vier Kinder undd weiß genau, worum es bei mir geht“, erzählt Halina Ebel.

Foto: Anne Sölter - Lichtmeile54 anne.S.photos
Gespräche auf Augenhöhe
Foto: Anne Sölter - Lichtmeile54 anne.S.photos
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"Ich darf etwas tun und mich ausprobieren."
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Fachliche und persönliche Fragen sind Themen in Mentoring-Gesprächen. Ein großes Thema ist zum Beispiel der Druck, der auf heranwachsende Mediziner lastet. Monika Kuba erinnert sich an ein Gespräch darüber, ob und wann eine Promotion in der Karriere einer Medizinerin sinnvoll ist. „Wir haben uns die Lebenssituation von Halina angeschaut, gewichtet, was im Moment wichtig ist und den großen Plan Promotion in einzelne Abschnitte geteilt“, so die erfahrene Hausärztin. Halina Ebel ergänzt: „Wenn ich mir vor den Gesprächen gesagt habe, du musst jetzt das und das tun, dann war für mich danach das Gefühl eher ein ‚ich darf etwas tun‘.“ Ihre Mentorin sei auch ein Vorbild. Neben den Gesprächen gab es viele praktische Erfahrungen, die beide im medizinischen Alltag machen konnten. Immer wieder hat die Mentee in der Hausarztpraxis mitgearbeitet, Untersuchungstechniken vertieft, den Umgang mit dem Ultraschallgerät üben können, Patientengespräche geführt und reflektiert sowie die Organisation einer Praxis kennengelernt.

Foto: Anne Sölter - Lichtmeile54 anne.S.photos
"Meine Mentorin ist auch mein Vorbild."
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Das Fach Allgemeinmedizin wird im Studium nur oberflächlich berührt. Daher gab es bei Halina Ebel keine konkrete Vorstellung über diese Fachrichtung: „Ich habe im Mentoring am Vorbild gelernt. Monika hat mir gezeigt, wie vielfältig die Tätigkeit von Hausärzten ist“, so ihre neuen Erfahrungen. „Die Patienten kommen ja mit allen möglichen Erkrankungen. Psychischen, orthopädischen, innere Erkrankungen, Hautkrankheiten. Da bekomme ich das Gesamtbild des Arztberufes mit. Außerdem gibt es beim Hausarzt mehr diagnostische Möglichkeiten als ich dachte und kann medizinisch in die Tiefe gehen“, so die junge Ärztin. Jetzt ist sie fest entschlossen, Allgemeinmedizinerin zu werden. Im September beginnt ihre Facharztausbildung. Sie möchte den Kontakt zu ihrer Mentorin nicht abbrechen. Gerade dann, so vermutet Halina Ebel, sei es sehr hilfreich, gute Gesprächspartner zu haben. So lange bis sie selbständig arbeiten könne, meint Halina Ebel.

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"Die Tätigkeit von Hausärzten ist vielfältig."
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"Mentoring ist ein Miteinander mit ehrlichen Gesprächen."
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Monika Kuba stellt fest: „Mentoring ist ein Miteinander mit ehrlichen Gesprächen auf Augenhöhe zwischen der erfahrenen Medizinerin und der angehenden Ärztin.“

Den beiden Frauen ist geglückt, was Mentoring ausmacht. Fruchtbare Gespräche, offene Einblicke und kollegialer Umgang der erfahrenen Medizinerin mit einer jungen Nachwuchsärztin.

Foto: Anne Sölter - Lichtmeile54 anne.S.photos

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Mentoring

Die Geschichte dahinter:

"Als Odysseus, König der Insel Ithaka, in den Trojanischen Krieg aufbricht, beauftragt er seinen Freund Mentor, für seinen Sohn Telemachos zu sorgen. In den darauffolgenden Jahren steht Mentor Telemachos als vertrauensvoller Freund und Ratgeber auch in schwierigen Situationen zur Seite und ist damit zum Sinnbild und Namensgeber des heutigen Mentoring-Prinzips geworden.

Und auch wenn immer von Mentor in der männlichen Form gesprochen wird: Die Göttin Athene hat zeitweise die Gestalt von Mentor angenommen und so auf Telemachos aufgepasst." (aus: "Mentoring - im Tandem zum Erfolg" von Tinka Beller und Gabriele Hoffmeister-Schönfelder)

Idee des Mentoring-Projektes:

Eine Mentorin/einen Mentor zu haben bedeutet, dass fachliche und persönliche Herausforderungen auf Augenhöhe besprochen werden können. Schon während des Studiums bekommen Medizinstudentinnen und -studenten Unterstützung von praktizierenden Ärztinnen und Ärzten, damit das Ziel jenseits der Abschlussprüfungen im Blick bleibt.

Wer sich am Mentoring-Projekt GF-MED 2022 beteiligt, nimmt die Option in den Blick, Arzt oder Ärztin im ländlich geprägten Kreis Gifhorn zu werden. Ob Hausarzt/ärztin, Frauenarzt/ärztin, Kinderarzt/-ärztin oder andere medizinische Fächer - im Mentoring können Sie sich Zeit nehmen, das Für und Wider Ihrer beruflichen Zukunft abzuwägen.

Du möchtest am Mentoring-Projekt teilnehmen?

Zwischen Hörsaal und Praxis:

Ein Medizinstudium zu absolvieren ist an der Universität eine große Herausforderung. Der Landkreis Gifhorn bietet Medizinstudierenden an, schon frühzeitig über den Kontakt zu praktizierenden Mediziner/innen, einen Praxiseinblick und individuelle Begleitung zu bekommen.

Mal "über die Schulter schauen" oder gemeinsam darüber zu sprechen, was ein "guter Arzt/Ärztin" ist. Ein Vorbild in Sachen work-life-balance haben oder das medizinische Netzwerk im Landkreis Gifhorn erleben. Die Abläufe einer Hausarztpraxis kennenlernen und verschiedene Arbeitszeitmodelle anzuschauen - all das sind Aspekte des Medizin-Mentoring-Projektes im Landkreis Gifhorn.

 

Wie läuft das Mentoring-Projekt ab?

Jedes Jahr im September findet eine Informationsveranstaltung für interessierte angehende Mediziner/innen im Schloss Gifhorn statt. Dann bekommen Sie Unterlagen, mit denen Sie sich um die Teilnahme im Projekt bewerben. Im Januar gibt es einen ersten Workshop für die angemeldeten Studentinnen und Studenten. Im Frühjahr findet das Matching statt, das heißt, die Mentees lernen ihre Mentorinnen und Mentoren kennen. Nach den Sommerferien gibt es weitere Workshopangebote.

Sie sind ein Teil des Mentoring-Projektes, so lange es für Sie sinnvoll ist.

Das Angebot:

Wir finden für Sie Mentorinnen und Mentoren im Landkreis Gifhorn, die Ihre Gesprächspartner/innen sind. Zusätzlich bietet das Projekt Workshops und ein virtuelles Forum für alle Beteiligten an. Natürlich bekommen Sie auch aktuelle Informationen über die "Gesundheitsregion Gifhorn" und Kontakte zu den unterschiedlichen medizinischen Fachbereichen.

Das Mentoring-Projekt kooperiert mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, dem HELIOS Klinikum in Gifhorn und Wittingen, der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Hausärzteverband, der Bundesagentur für Arbeit - Helmstedt, dem Ärzteverein, der Allianz für die Region und der Beauftragten für Gleichstellung und Demografie im Landkreis Gifhorn.

Wer kann am Mentoring-Projekt teilnehmen?

Ob Erstsemester, die ganz am Anfang ihre Studiums stehen oder Studierende, die fast scheinfrei sind - Sie können sich gerne bei uns melden! Gebürtig sind Sie aus dem Landkreis Gifhorn oder haben hier Ihren Schulabschluss gemacht. Wer sich gerne im ländlichen Raum niederlassen möchte und glaubwürdig erklärt, ein Interesse an einer beruflichen Zukunft im Landkreis Gifhorn zu haben, ist ebenfalls herzlich willkommen!

Schülerinnen und Schüler ab der 12. Klasse, die erste Überlegungen anstellen, Medizin zu studieren, können sich für die Teilnahme am Projekt bewerben. Das sogenannte Pre-Mentoring. Auch ihnen stehen Gesprächspartner/innen zur Verfügung!

Vorteile Mentees

Sie haben schon während Ihres Studiums eine/n fachlich erfahrene/n Kolleg/in als Gesprächspartner an Ihrer Seite.

Sie können am Netzwerk der Mentorin / des Mentors teilhaben.

Sie können ihre individuellen Fragen und Themen einbringen, die Ihre fachliche und persönliche Entwicklung betriffen.

Im Kontakt mit dem Landkreis Gifhorn bekommen Sie stets einen aktuellen Überblick über die medizinische Versorgung in der Region.

Vorteile Mentoren

Die Möglichkeit, sein Wissen und die vielfältigen Erfahrungen an junge Kollegen/innen weiterzugeben.

Die eigene Praxis mit den Augen der jungen Kollegen sehen und neue Ideen bekommen.

Die Beratungs- und Gesprächskompetenz um das Instrument "Mentoring" erweitern.

Die Zukunft der medizinischen Versorgung im Landkreis Gifhorn nachhaltig mitzugestalten.

Weitere Infos in unserer PDF